Informierte Entscheidung – Interventionen für eine effektive Initiierung

Wenn Eltern mit wissenschaftlichen Fakten versorgt werden, entscheiden die Mütter sich fast immer dazu, mit dem Abpumpen zu beginnen. Das Verständnis darüber, dass die Versorgung mit Muttermilch eine wichtige medizinische Intervention ist, die niemand sonst leisten kann, stärkt sie während der neonatologischen Intensivbehandlung ihres Kindes.

Healthcare professional informs mother about the importance of own mothers milk

Was ist eine informierte Entscheidung ?

Informierte Entscheidungen werden anhand von faktenbasiertem Wissen getroffen. Dies wird durch Bereitstellung klarer, prägnanter, konsistenter und evidenzbasierter Informationen erleichtert, die Gespräche über die Vorteile, Risiken und Alternativen in Bezug auf die Versorgung mit eigener Muttermilch beinhalten. Mithilfe dieser Gespräche können die Eltern fundierte Entscheidungen rund um das Thema Laktation treffen.

Warum sind informierte Entscheidungen wichtig ?

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Muttermilch sind überzeugend und sprechen eine deutliche Sprache.1 Wenn Eltern mit wissenschaftlichen und sachlichen Informationen versorgt werden, entscheiden sich die Mütter fast immer dafür, mit dem Abpumpen zu beginnen, weil sie verstehen, dass ihre Milch eine wichtige medizinische Intervention ist, die niemand sonst leisten kann.2–4 

Mütter und Familien von Neugeborenen auf der neonatologischen Intensivstation kämpfen oft mit einem Zustand des Schocks, der Verzweiflung und der Hilflosigkeit.5 Gespräche und Informationen über den unverzichtbaren Wert von eigener Muttermilch sowie individuell angepasste und für Kinder der neonatologischen Intensivstation spezifische Informationen über Laktation bieten Eltern:6,7

  • einen positiven Ausblick und eine zentrale Rolle in der Versorgung ihres Babys
  • eine veränderte hoffnungsvolle Perspektive
  • ein starkes Engagement für die bestmögliche gesundheitliche Entwicklung ihres Säuglings

So setzen Sie informierte Entscheidungen um

  • Stellen Sie sicher, dass alle medizinischen Fachpersonen regelmäßig über den Wert der Muttermilch zur Verringerung der Risiken neonataler Komorbiditäten und über Best Practices der Lakation unterrichtet werden. Für weitere Informationen sehen Sie sich das Webinar „Getting it right: The critical window of opportunity to establish lactation and improve patient satisfaction“ von Prof. Diane Spatz (in engl. Sprache) an.
  • Stellen Sie sicher, dass alle Mütter evidenzbasierte wissenschaftliche Informationen zum Thema Milch der eigenen Mutter erhalten
  • Stellen Sie sicher, dass Frauen mit bekannten Risikofaktoren für eine verzögerte Laktation prä- und perinatal Informationen über den Wert der eigenen Muttermilch sowie die Initiierung und den Aufbau ihrer Milchproduktion erhalten. Diese Informationen sollten sich auf die wichtigen folgenden Punkte konzentrieren:
    • Eigene Muttermilch als medizinische Intervention für Säuglinge auf der neonatologischen Intensivstation
    • Erstmaliges Abpumpen innerhalb von 3 Stunden nach der Geburt
    • 8 Abpumpvorgänge pro 24 Stunden
    • Dokumentation der Milchmengen ab Geburt mithilfe eines Abpumpprotokolls 
    • Initiierung der sekretorischen Aktivierung innerhalb der ersten 72 Stunden und das Erreichen einer ausreichenden Milchmenge innerhalb der ersten 14 Tage – das kritische Zeitfenster für eine erfolgreiche Initiierung der Laktation
  • Zusammenarbeit zwischen dem gesamten Personal der Entbindungsstation (gleich, ob pränatal, im Kreißsaal oder postnatal) und der neonatologischen Intensivstation
  • Dokumentation der Beratung zu bewährten Laktationspraktiken in der Krankenakte von Mutter und Säugling

So überprüfen Sie informierte Entscheidungen

Sammeln Sie Daten zur Häufigkeit und zum qualitativen Inhalt der Gespräche mit Schwangeren und Müttern in einem Datenerfassungstool.

Strategien zur Messung von Best Practices umfassen das Überprüfen der Krankenakten von Mutter und Kind

  • Prüfen Sie, ob die Eltern vor der Geburt wissenschaftliche Informationen zur eigenen Muttermilch für Säuglinge auf der neonatologischen Intensivstation erhalten haben
  • Prüfen Sie bei Säuglingen auf der neonatologischen Intensivstation, ob die Eltern nach der Geburt wissenschaftliche Informationen zur Ernährung mit eigener Muttermilch erhalten haben

Mütter informieren – effektive Initiierung

Literaturhinweise

1. Meier PP et al. Human milk in the neonatal intensive care unit. In: Family Larsson-Rosenquist Foundation, Hrsg. Breastfeeding and breast milk - From biochemistry to impact: A multidisciplinary introduction. 1. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2018.

2. Miracle DJ et al. Mothers' decisions to change from formula to mothers' milk for very-low-birth-weight infants. J Obstet Gynecol Neonatal Nurs. 2004; 33(6):692–703.

3. Spatz DL. Ten steps for promoting and protecting breastfeeding for vulnerable infants. J Perinat Neonatal Nurs. 2004; 18(4):385–396.

4. Meier PP et al. Evidence-based methods that promote human milk feeding of preterm infants: An expert review. Clin Perinatol. 2017; 44(1):1–22.

5. Sisk PM et al. Lactation counseling for mothers of very low birth weight infants: Effect on maternal anxiety and infant intake of human milk. Pediatrics. 2006; 117(1):e67-75.

6. Thomson G et al. Parents' experiences of emotional closeness to their infants in the neonatal unit: A meta-ethnography. Early Hum Dev. 2020; 149:105155.

7. O’Brien K et al. Effectiveness of Family Integrated Care in neonatal intensive care units on infant and parent outcomes: A multicentre, multinational, cluster-randomised controlled trial. Lancet Child Adolesc Health. 2018; 2(4):245–254.